„Landwirtschaft muss Chefsache werden“

Über eine Landwirtschaft der Zukunft hat Dr. Andre Baumann mit Dr. Christian Eichert, Geschäftsführer von Bioland Baden-Württemberg, und Wolfgang Guckert, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Rhein-Neckar, sowie zahlreichen Teilnehmenden im Rahmen einer digitalen Konferenz diskutiert.

Buntgemischt war das Publikum, das Carolin Hoffmann im Gewölbekeller auf Ihrem Wersauer Hof virtuell willkommen heißen durfte: Biobauern und konventionelle Landwirte, Imker, Naturschützer und Naturschützerinnen, Lokalpolitiker, interessierte Bürgerinnen und Bürger. Landtagskandidat Dr. Andre Baumann, der die Konferenz organisiert hatte, brachte die Bedeutung des Themas auf den Punkt: „Eine der wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Fragen ist: Wie soll eine Landwirtschaft der Zukunft aussehen?“

Baumann tritt dafür ein, dass Landwirte eine gute Zukunft haben und die Hofnachfolge gesichert ist. Dazu gehöre für ihn auch, gut wirtschaften zu können, „das heißt Geld verdienen.“ Baumann forderte: „Für gute Produkte muss man gute, faire Preise bekommen, von denen Landwirte gut leben können.“ Um Rücklagen zu bilden, zum Investieren, für Hobbies.

Dafür, dass sich Landwirtschaft und Naturschutz nicht als Gegner gegenüberstehen, sondern zusammenwirken, tritt Andre Baumann leidenschaftlich ein. „In Baden-Württemberg haben wir Kooperation statt Konfrontation.“ Baumann war in seiner Zeit als Staatssekretär im Umweltministerium maßgeblich an der historischen Versöhnung von Naturschutz und Landwirtschaft beteiligt. Mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ war ein Konflikt heraufgezogen, der die Gesellschaft hätte spalten können. Unter Baumanns Mitwirkung konnte das Volksbegehren in ein Eckpunktepapier und ein Biodiversitätsstärkungsgesetz aufgelöst werden, mit denen Baden-Württemberg bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt. „Das ist mir wichtig, dass wir Bio und Konventionell gleichermaßen in den Arm nehmen“, sagte Baumann.

Wolfgang Guckert, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rhein-Neckar, erklärte die schwierige Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe in der Region. Es könnten nicht immer neue Auflagen durch Natur- und Umweltschutz auf die Landwirtschaft zukommen. Er wünschte sich auch eine größere Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit durch die Gesellschaft und Politik. Dr. Christian Eichert, Geschäftsführer von Bioland Baden-Württemberg, wünscht sich für die nächste Legislatur, dass das Thema Landwirtschaft ganz oben auf der politischen Agenda steht. Auch Andre Baumann sieht dies als eine der wichtigsten Aufgaben der Politik an. Die Landwirtschaft brauche den gleichen Stellenwert wie der Strategiedialog Automobilwirtschaft. „Landwirtschaft, Naturschutz und Handel an einem Tisch zusammenbringen“, sagte Baumann und ergänzte: Mit einem starken Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl werde es einen Strategiedialog Landwirtschaft unter der Leitung von Winfried Kretschmann geben. Dann würde Landwirtschaft zur „Chefsache“.

Ziel sei es, so Baumann, dass es bis 2030 rund 30 bis 40 % Ökolandbau im Ländle gebe und die eingesetzten Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft um 40 bis 50 % reduziert werden. Eichert wies darauf hin, dass die Ausweitung des ökologischen Landbaus eine der wesentlichen Maßnahmen sei, um den Pestizideinsatz zu reduzieren. Der Einsatz von Pestiziden ist mitverantwortlich für den massiven Rückgang der Artenvielfalt, insbesondere bei den Insekten. Dass sich mit der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft darüber hinaus den Betrieben höhere Preise böten, betonte Eichert.

Wie sich an den unterschiedlichen Wortbeiträgen zeigte, gibt es längst eine große Nähe und Übereinstimmung zwischen Naturschutz, ökologischer und konventioneller Landwirtschaft – nämlich bei den ausgemachten Herausforderungen und Zielen der Landwirtschaft. Als ein großes Problem wurde von allen Seiten der anhaltend hohe Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen benannt. Auf Bundesebene wurden trotz anderslautender Absichtserklärungen der Großen Koalition bislang keine wirksamen Schritte unternommen, um den unverändert hohen Flächenverbrauch von 80 ha pro Jahr zu verringern. Eichert sagte, dass Landwirte die Ersten seien, denen Flächen weggenommen werden. „Wir haben in den letzten 60 Jahren die Fläche des Saarlands zugebaut“, ergänzte Thomas Romer, der am Bodensee einen Obsthof in biologischer Landwirtschaft betreibt.

Neubaugebiete tragen für Baumann einen Teil dazu bei. Baumann sagte: „Wir sollten verstärkt in die Höhe bauen, weniger in die Breite.“ So ließen sich die wertvollen Flächen für Landwirtschaft und Naturschutz erhalten. Denn: „Wir brauchen aktive, motivierte landwirtschaftliche Betriebe, um unsere Kulturlandschaft zu pflegen.“ Baumann erklärte: „Wir wollen die Landwirtschaftspolitik der Versöhnung von Landwirtschaft und Naturschutz fortsetzen. Landwirte brauchen einen guten Preis für gute Produkte.“ Wenn sie Natur und Umwelt förderten, dann solle dieses Produkt für die Gesellschaft einkommenswirksam gefördert werden.

 

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld