Wie sieht er eigentlich aus, der perfekte Naturgarten? Werden hier nur Brennnesseln gezüchtet oder ist er die Rettung gegen die zunehmende Hitze in unseren Städten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines interaktiven Vortragsabends, zu dem die Reilinger Grünen am vergangenen Mittwoch in den Wersauer Hof eingeladen hatten.
Zu Gast war Benedikt Seelbach, Sprecher des Vereins Naturgarten e.V. Mannheim, der den Zuhörern eindrücklich aufzeigte, warum „Gärtnern im Klimawandel“ weit mehr ist als nur ein Hobby.
Zwischen Unkraut und Artenvielfalt
Schon zu Beginn band Seelbach das Publikum aktiv ein: Was verbinden wir mit einem Naturgarten? Die Antworten reichten von „wenig Wasserverbrauch“ über „heimische Pflanzen“ bis hin zum skeptischen „Unkraut“. Doch Seelbach räumte schnell mit Vorurteilen auf. Ein Naturgarten ist kein „wilder Garten“, den man einfach sich selbst überlässt. Er ist ein bewusst gestalteter Lebensraum, der auf drei Säulen basiert: heimische Pflanzen, natürliche Dynamik und das Schaffen von Lebensräumen wie Totholz, Wasserstellen oder Steinhaufen.
Blick in die Zukunft: Reilingen im Jahr 2100
Die Dringlichkeit des Themas untermauerte der Referent mit einem Blick auf den Klimaatlas Baden-Württemberg. Die Prognosen sind deutlich: Die Trockenheit wird nicht nur im Sommer zunehmen. Seelbach präsentierte einen „Klimazwilling“ für Reilingen. Im Jahr 2100 könnte das Klima hier dem der spanischen Gemeinde La Fueva entsprechen.
„Pflanzen pflanzen und zwar JETZT!“, so der eindringliche Appell von Benedikt Seelbach.
Besonders wichtig seien dabei großkronige Bäume, Sträucher und sogenannte Säume. Seelbach betonte: „Jeder Baum braucht einen Saum“ – also eine Übergangszone aus Stauden und Wildpflanzen, die den Boden schützt und Lebensraum bietet.
Heimische Pflanzen als Schlüssel
Warum der Fokus auf heimische Gewächse? Die Antwort liegt in der Tierwelt. Viele seltene Raupen oder Käfer sind spezialisiert und benötigen genau diese Pflanzen zum Überleben. Wer im Herbst aussät, gibt der Natur den nötigen Vorsprung. Dass sich Geduld auszahlt, zeigt das Beispiel der „Naturarena Wesel“. Nach einem Totalausfall im Dürrejahr 2018 erstrahlte sie 2020 grüner den je. Naturgärten sind resistent – wenn man sie lässt und fachlich begleitet.
Praktische Tipps für Hausbesitzer
Auch für urbane Lösungen hatte der Experte Ratschläge parat. Wer über eine Dachbegrünung nachdenkt, sollte auf eine Substratschicht von mindestens 15 cm achten, um den Pflanzen genügend Rückhalt und Wasser zu bieten – vorausgesetzt, die Statik lässt es zu.
Inspiration vor der Haustür
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, muss nicht weit reisen. Der Verein Naturgarten e.V., der bereits die BUGA 2023 in Mannheim mitgestaltete, betreut den Natur-Entdecker-Garten auf dem Mannheimer Franklin-Gelände. Diese ist jeden 2.Samstag und 4.Sonntag im Monat von 14 Uhr bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

Interessierte Besucher hören dem Vortrag von Benedikt Seelbach zu.

Die Ortsverbandssprecherin der Reilinger Grünen, Anna-Lena Becker, bedankt sich bei Referent Benedikt Seelbach für den tollen Vortrag.
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