Energiewende sichert Stromversorgung, senkt Preise und stärkt Industrie – Baden-Württemberg liefert
„Bezahlbarer Strom ist die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze und sozialen Zusammenhalt“, erklärte Dr. Andre Baumann bei seinem Vortrag zum Stand der Energiewende in Baden-Württemberg. Der Landtagsabgeordnete der Grünen sprach bei einer hybriden Veranstaltung im Grünen Büro in der Schwetzinger Fußgängerzone sowie parallel über Instagram Live über die zentrale Bedeutung einer verlässlichen und bezahlbaren Energieversorgung für Industrie, Mittelstand und die Bürgerinnen und Bürger. Baden-Württemberg, so Baumann, zeige eindrucksvoll, dass Versorgungssicherheit, Klimaschutz und sinkende Strompreise kein Widerspruch sind, sondern genau dieser Weg möglich ist.
Der aktuelle Monitoringbericht zur Energiewende des Landes belege, dass sich die Stromversorgung auch nach dem Atomausstieg stabil entwickelt habe. Der Wegfall der Kernkraft sei ohne Einbußen bei der Versorgungssicherheit kompensiert worden, gleichzeitig sei der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung deutlich gestiegen „Der Atomausstieg hat nicht zu Versorgungsengpässen geführt, sondern den Ausbau der Erneuerbaren beschleunigt“, betonte Baumann. Seit 2016 ist Baumann Staatssekretär im für Energiepolitik zuständigen Umweltministerium Baden-Württemberg und begleitet die Energiewende.
Im Mittelpunkt seines Vortrags stand der Stromsektor als Herzstück der Energiewende. In den vergangenen Jahren sei der Ausbau der erneuerbaren Energien massiv vorangebracht worden. Besonders beim Ausbau der Photovoltaik übertreffe Baden-Württemberg seine eigenen, ambitionierten Ziele deutlich. Die installierte Leistung liege klar über den ursprünglich gesetzten Jahreszielen. „Allein im Jahr 2024 entsprach die Leistung der neu zugebauten Photovoltaikanlagen der eineinhalbfachen Leistung des abgeschalteten Atomkraftwerks Neckarwestheim 2“, erläuterte Baumann. Die Photovoltaik-Pflicht des Landes wirke. Sie schaffe Planungssicherheit für Handwerk, Mittelstand, Industrie und private Investoren. „Jede neue Solaranlage bringt mehr günstigen Strom ins Netz und senkt langfristig die Preise“, so Baumann.
Auch beim Ausbau der Windenergie seien deutliche Fortschritte erzielt worden. Die Zahl der Anträge für neue Windenergieanlagen sei stark gestiegen. „Aktuell befinden sich landesweit rund 1.700 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von über 10 Gigawatt in der Planung oder im Genehmigungsverfahren“, sagte Baumann. „Allein in den kommenden Jahren können Entscheidungen über mehrere hundert Anlagen getroffen werden.“ Außerdem seien die Genehmigungszeiten in Baden-Württemberg erheblich verkürzt worden: statt früher oft sieben Jahren dauerten Verfahren heute im Schnitt nur noch rund zehn Monate. Möglich geworden sei dies durch die Taskforce Erneuerbare Energien, digitale Verfahren und klar geregelte Zuständigkeiten. „Das ist ein echter Durchbruch für die Windenergie im Südwesten“, sagte Baumann. „Er zeigt, dass wir den Ausbau nicht nur politisch wollen, sondern ihn auch praktisch ermöglichen.“
Eine zentrale Grundlage für diesen Erfolg bilde das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg. Dieses verpflichtet jede Region im Land, mindestens zwei Prozent ihrer Fläche für erneuerbare Energien auszuweisen und bereitzustellen. Mindestens 1,8 Prozent seien davon für Windenergie vorgesehen und mindestens 0,2 Prozent für Photovoltaik. „Dieses Zwei-Prozent-Ziel sorgt für Verlässlichkeit und Fairness“, betonte Baumann. „Alle Regionen leisten damit ihren Beitrag. Darum müssen auch in der Metropolregion Rhein-Neckar Photovoltaik und Windkraft ausgebaut werden.“
Der von Baumann erwähnte Monitoringbericht zur Energiewende zeige zudem, dass die Versorgungssicherheit nach dem Atomausstieg durch einen modernen und flexiblen Kraftwerkspark abgesichert werden müsse. Eine zentrale Rolle spielten dabei neue Gaskraftwerke. In Stuttgart-Münster sei bereits ein Kraftwerksblock in Betrieb gegangen, weitere Anlagen in Altbach/Deizisau und Heilbronn befänden sich im Bau. Diese Kraftwerke seien Teil des sogenannten Fuel Switch. Ehemalige Kohlekraftwerke würden zunächst auf Erdgas umgestellt und zugleich wasserstofffähig ausgelegt. „So sichern wir heute die Stromversorgung und schaffen gleichzeitig die Brücke in eine klimaneutrale Zukunft“, erläuterte Baumann.
Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor der Energiewende sei der Ausbau der Stromnetze. „Erneuerbare Energien und Netze müssen gemeinsam wachsen. Der Netzausbau ist die Voraussetzung für Versorgungssicherheit, sinkende Preise und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren“, so Baumann. Durch den Wahlkreis Schwetzingen verlaufe mit Ultranet eine zentrale Stromautobahn Deutschlands. Sie verbinde die windreichen Regionen im Norden mit den industriellen Zentren im Süden. Endpunkt der Leitung sei in Philippsburg das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks, wo Gleichstrom in einem riesigen Konverter in Wechselstrom umgewandelt werde. „Diese Stromautobahn sorgt dafür, dass günstiger Windstrom bei uns ankommt, wo er gebraucht wird“, sagte Baumann. Ohne solche Leitungen sei die Energiewende nicht umsetzbar.
Neben dem Stromnetz sei auch der Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur unverzichtbar. Baumann erläuterte die Bedeutung des Wasserstoff-Kernnetzes für Industrie und Stromversorgung. Die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL), die ebenfalls durch den Wahlkreis Schwetzingen verläuft, sei ein zentraler Bestandteil dieses Wasserstoffnetzes. Im kommenden Jahr solle der Bau auch zwischen Eppelheim und Plankstadt beginnen. „Wir brauchen die SEL, um Industrie, Mittelstand und Gaskraftwerke künftig mit klimaneutralem Wasserstoff zu versorgen“, betonte Baumann. „Als Staatssekretär und hiesiger Abgeordneter unterstütze ich den Ausbau der SEL so gut ich kann.“
Deutliche Kritik übte Baumann an der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung. Der von Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) vorgelegte Zehn-Punkte-Plan widerspreche den Ergebnissen ihrer eigenen Energiestudie. Während diese klar einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien als Voraussetzung für Versorgungssicherheit und sinkende Preise benenne, bremse die Ministerin den Ausbau faktisch aus. „Das ist energiepolitisch rückwärtsgewandt, ideologisch und gefährlich für den Industriestandort Deutschland“, sagte Baumann. Besonders problematisch sei, dass offenbar nicht das Ziel verfolgt werde, die Strompreise auch für den Mittelstand und private Haushalte spürbar zu senken. „Wer den Ausbau der Erneuerbaren bremst, hält Strompreise künstlich hoch“, so Baumann. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, Handwerksbetriebe und energieintensive Industrien seien auf bezahlbaren Strom angewiesen.

Dr. Andre Baumann zeigt den Teilnehmenden während seines Vortrages einen Stein, der vom Kühlturm des stillgelegten AKW Phillippsburg stammt
(Foto Decher)

In seinem Vortrag berichtet Dr. Andre Baumann über die zentrale Bedeutung einer verlässlichen und bezahlbaren Energieversorgung
(Foto Decher)